Klebestreifen-Pflaster – Wundnahtstreifen richtig anwenden

Aktualisiert am · 6 Min. Lesezeit · Redaktion klebestreifen.com

Klebestreifen-Pflaster, fachlich Wundnahtstreifen oder Klammerpflaster, halten die Ränder kleiner, glatter Schnittwunden zusammen, damit sie ohne Naht verheilen. Sie eignen sich nur für oberflächliche Wunden, deren Ränder sich ohne Zug aneinanderlegen lassen. Tiefe, klaffende, verschmutzte oder stark blutende Wunden gehören in ärztliche Versorgung.

Inhalt
  1. Wie Wundnahtstreifen funktionieren
  2. Wann Wundnahtstreifen geeignet sind – und wann nicht
  3. Wann Sie zum Arzt sollten
  4. Schritt für Schritt: Wundnahtstreifen anlegen
  5. Pflege in den Tagen danach
  6. Wundnahtstreifen entfernen
  7. Wundnahtstreifen, Pflaster oder Hautkleber?
  8. Häufige Fragen

Bekannt sind Wundnahtstreifen vor allem unter dem Markennamen Steri-Strip, inzwischen gibt es sie von vielen Herstellern und in jeder gut sortierten Apotheke. Sie werden auch in Notaufnahmen und Arztpraxen eingesetzt, etwa nach dem Ziehen von Fäden oder bei kleinen Platzwunden im Gesicht. Diese Seite erklärt, wie sie funktionieren, wie Sie sie richtig anlegen und – genauso wichtig – wann Sie sie nicht verwenden sollten.

Wie Wundnahtstreifen funktionieren

Ein gewöhnliches Pflaster legt eine saugfähige Wundauflage über die Verletzung und schützt sie. Ein Wundnahtstreifen hat keine Wundauflage. Er wird quer über den Schnitt geklebt, zieht die beiden Wundränder sanft zueinander und hält sie in dieser Position. So kann die Wunde in einer feinen Linie zusammenwachsen, und die Narbe wird meist schmaler als bei einer offen klaffenden Wunde.

Damit das funktioniert, sind die Streifen anders aufgebaut als Haushaltsklebeband:

Achtung: Tesafilm, Paketband oder Gewebeband sind kein Ersatz. Sie sind nicht steril, lassen keine Luft durch, können die Haut aufweichen und Keime unter dem Band einschließen. Auf offene Wunden gehören nur medizinische Produkte.

Wann Wundnahtstreifen geeignet sind – und wann nicht

Die wichtigste Entscheidung fällt vor dem Kleben. Die folgende Übersicht gibt eine Orientierung, ersetzt im Zweifel aber keine ärztliche Einschätzung.

Geeignet (zur Selbstversorgung)Nicht geeignet – ärztlich versorgen lassen
Kleine, glattrandige Schnitte, z. B. durch ein Küchenmesser oder PapierTiefe Wunden, in denen Fettgewebe, Muskeln oder Sehnen sichtbar sind
Wundränder lassen sich ohne Spannung aneinanderlegenKlaffende Wunden, die unter Zug stehen
Blutung lässt sich mit Druck rasch stillenBlutung hört nach etwa 10 Minuten Druck nicht auf oder spritzt
Saubere Wunde ohne FremdkörperVerschmutzte Wunden, Splitter, Glas, Erde
Ruhige Körperstellen wie Unterarm, Schienbein, StirnBiss- und Kratzwunden von Tieren oder Menschen
Frische WundeWunden über Gelenken mit viel Bewegung, an Händen mit Gefühlsstörung, an Lippenrot oder Augenlid

Zusätzlich gilt: Wundnahtstreifen halten schlecht auf stark behaarter, feuchter oder fettiger Haut und auf Stellen, die ständig gebeugt werden. Dort lösen sie sich oft vorzeitig, und die Wunde öffnet sich wieder.

Wann Sie zum Arzt sollten

Lassen Sie eine Wunde ärztlich anschauen, wenn einer der folgenden Punkte zutrifft:

Wunden, die genäht oder geklebt werden müssen, sollten möglichst zeitnah versorgt werden. Warten Sie also nicht bis zum nächsten Tag, um zu sehen, „ob es von allein geht“.

Schritt für Schritt: Wundnahtstreifen anlegen

  1. Blutung stillen. Mit einer sauberen Kompresse einige Minuten gleichmäßig Druck auf die Wunde ausüben.
  2. Wunde reinigen. Hände waschen, die Wunde mit klarem, fließendem Wasser oder steriler Kochsalzlösung ausspülen. Ein Wunddesinfektionsmittel aus der Apotheke kann verwendet werden; Hausmittel wie Alkohol aus der Hausbar oder Mehl gehören nicht in eine Wunde.
  3. Haut trocknen. Die Haut rund um die Wunde vollständig trockentupfen. Auf feuchter Haut halten die Streifen nicht. Keine Salbe auf die Klebeflächen auftragen.
  4. Ersten Streifen in der Mitte setzen. Den Streifen auf einer Seite der Wunde ankleben, die Wundränder mit der anderen Hand sanft zusammenschieben und den Streifen quer über die Wunde auf die andere Seite ziehen und andrücken.
  5. Weitere Streifen ergänzen. Von der Mitte nach außen arbeiten, mit etwa 3 mm Abstand zwischen den Streifen, damit Wundflüssigkeit abfließen kann. Die Ränder sollen bündig liegen, nicht übereinandergeschoben.
  6. Enden sichern. Bei Bedarf je einen Streifen parallel zur Wunde über die Enden der Querstreifen kleben. Das verhindert, dass sie sich an den Kanten ablösen.
  7. Abdecken, wenn nötig. An Stellen mit Reibung kann ein normales Pflaster oder ein Verband darüber schützen.

Tipp: Den Streifen nicht mit maximalem Zug spannen. Zu viel Spannung erzeugt Blasen auf der Haut und lässt die Wundränder sich nach innen einrollen. Ziel ist, dass die Ränder gerade so aneinanderliegen.

Pflege in den Tagen danach

Die Streifen bleiben auf der Haut, bis die Wunde verheilt ist oder sie sich von selbst lösen. Wie lange das dauert, hängt von Körperstelle und Wunde ab; die Packungsbeilage nennt meist einen Zeitraum von mehreren Tagen bis etwa zwei Wochen. Gesichtswunden heilen schneller als Wunden an Beinen.

Achten Sie auf Zeichen einer Entzündung: zunehmende Rötung, Schwellung, Wärme, pochende Schmerzen, Eiter, roter Streifen in Richtung Herz oder Fieber. Dann sollte die Wunde ärztlich kontrolliert werden.

Wundnahtstreifen entfernen

Ist die Wunde geschlossen, ziehen Sie die Streifen langsam ab – von beiden Enden aus in Richtung Wunde und flach über die Haut, nicht steil nach oben. So wird keine Spannung auf die frische Narbe ausgeübt. Haften sie fest, weichen Sie die Streifen mit etwas Wasser oder Öl auf. Hartnäckige Klebstoffreste auf der Haut lassen sich schonend lösen, wie im Ratgeber Pflaster-Kleberreste entfernen beschrieben.

Wundnahtstreifen, Pflaster oder Hautkleber?

ProduktWirkungTypischer Einsatz
Wundpflaster mit AuflageSchützt und saugt, hält Ränder nicht zusammenSchürfwunden, kleine Schnitte, die nicht klaffen
WundnahtstreifenAdaptiert die Wundränder ohne NahtKleine glatte Schnitte mit leicht auseinanderliegenden Rändern
Medizinischer GewebekleberVerklebt die Wundränder direktIn der Regel ärztliche Anwendung, z. B. bei Platzwunden im Gesicht bei Kindern
Naht oder KlammernHält Ränder auch unter ZugTiefe, längere oder belastete Wunden – immer ärztlich

Andere Anwendungen von Klebestreifen am Körper – vom Madenwurm-Abklatsch bis zum Fashion Tape – stellt der Überblick Spezial-Klebestreifen vor. Wer wissen möchte, welche Klebstoffe besonders hautfreundlich sind, findet Hintergründe unter Klebstoffarten.

Häufige Fragen

Kann ich statt Wundnahtstreifen normalen Tesafilm nehmen?

Nein. Haushaltsklebefilm ist nicht steril, nicht luftdurchlässig und nicht für die Haut gemacht. Er kann Keime einschließen und die Haut aufweichen. Wenn Sie keine Wundnahtstreifen zur Hand haben, decken Sie die Wunde mit einem sauberen Verband ab und lassen Sie sie bei Bedarf ärztlich versorgen.

Wie lange bleiben Wundnahtstreifen drauf?

So lange, bis die Wunde geschlossen ist, meist einige Tage bis etwa zwei Wochen je nach Körperstelle. Viele Streifen lösen sich in dieser Zeit von selbst. Halten Sie sich an die Packungsbeilage oder die ärztliche Anweisung.

Darf ich mit Wundnahtstreifen duschen?

Kurzes Duschen ist meist möglich, wenn Sie die Stelle danach vorsichtig trockentupfen. Langes Baden, Schwimmen und Sauna weichen den Klebstoff auf und sollten bis zur Heilung vermieden werden.

Hinterlassen Wundnahtstreifen weniger Narben als eine Naht?

Bei kleinen, geeigneten Wunden können sie ein vergleichbar gutes Ergebnis erzielen. Bei Wunden unter Spannung oder in bewegten Bereichen ist eine Naht oft besser, weil sich die Ränder sonst wieder öffnen. Diese Abwägung trifft die Ärztin oder der Arzt.