Klebestreifen-Lexikon – Fachbegriffe von A bis Z
Dieses Lexikon erklärt die wichtigsten Fachbegriffe rund um Klebestreifen und Klebebänder in je ein bis drei Sätzen – von Abdeckband bis Zuglasche. Es hilft beim Lesen von Datenblättern und Produktbeschreibungen. Wo ein Begriff eine eigene ausführliche Seite hat, führt ein Link dorthin.
Die Begriffe sind alphabetisch sortiert. Englische Fachwörter, die in Datenblättern häufig vorkommen, sind mit aufgenommen. Für den Einstieg empfiehlt sich die Übersicht Klebestreifen-Arten.
A bis C
- Abdeckband: Band zum Abkleben von Flächen, die beim Lackieren, Streichen oder Beschichten geschützt werden sollen. Im Haushalt meist als Malerkrepp bekannt.
- Abrollkraft: Kraft, die nötig ist, um ein Band von der Rolle abzuwickeln. Sie wird über die Trennschicht eingestellt.
- Abroller: Gerät mit Messer zum Abwickeln und Abschneiden von Klebeband, als Tisch- oder Handabroller. Siehe Klebestreifen-Abroller.
- Acrylat: Klebstoffklasse auf Basis von Acrylsäureestern; alterungs-, UV- und wärmebeständig, erreicht die volle Haftung erst nach einiger Zeit. Siehe Klebstoffarten.
- Acrylschaum: geschäumter, viskoelastischer Acrylatkern hochfester doppelseitiger Bänder. Siehe VHB-Klebeband.
- Adhäsion: Haftung zwischen Klebstoff und Untergrund. Versagt sie, löst sich das Band sauber vom Untergrund.
- Anfangshaftung: siehe Tack.
- Anpressdruck: Druck beim Aufkleben. Er bringt den Haftklebstoff in vollflächigen Kontakt mit der Oberfläche und ist für die Klebkraft entscheidend.
- Backing: englisch für Träger.
- BOPP: biaxial orientiertes Polypropylen; dünne, reißfeste, transparente Folie, Standardträger für Bürofilm und Packband.
- Celluloseacetat: Cellulose-Kunststoff, aus dem matte, beschreibbare Bürofilme bestehen.
- Corona-Behandlung: elektrische Oberflächenbehandlung von Folien, die deren Oberflächenenergie erhöht und so die Haftung von Klebstoff oder Druckfarbe verbessert.
D bis H
- Dahlquist-Kriterium: Faustregel, nach der ein Material bei Raumtemperatur nur dann haftklebrig ist, wenn sein elastischer Modul unter etwa 0,3 MPa liegt.
- Datenblatt (TDS): technisches Datenblatt eines Bandes mit Aufbau, Dicke, Klebkraft, Temperaturbereich und Lagerdauer.
- Doppelseitiges Klebeband: Band mit Klebstoff auf beiden Seiten, geschützt durch einen Liner. Siehe Klebestreifen doppelseitig.
- Duct Tape: englische Bezeichnung für Gewebeband.
- Endfestigkeit: maximale Haftung einer Klebung, die bei vielen Bändern erst nach 24 bis 72 Stunden erreicht ist.
- Flagging: Ablösen eines um ein Kabel oder Rohr gewickelten Bandendes, das wie eine Fahne absteht.
- Gewebeband: Band mit textilem Gewebe als Verstärkung, sehr reißfest und von Hand einreißbar.
- Glasübergangstemperatur: Temperatur, unterhalb der ein Klebstoff hart und glasartig wird und seine Klebrigkeit verliert.
- Haftklebstoff (PSA): dauerhaft klebriger Klebstoff, der allein durch Andruck haftet, ohne zu trocknen oder auszuhärten. Siehe Was ist ein Klebestreifen?.
- Haftvermittler: siehe Primer.
- Handeinreißbarkeit: Eigenschaft eines Bandes, sich ohne Schere oder Abroller sauber quer abreißen zu lassen, etwa bei Krepp, Gewebe oder PVC.
- Hotmelt: lösemittelfrei im geschmolzenen Zustand aufgetragener Klebstoff, meist Synthesekautschuk. Günstig, hohe Anfangshaftung, begrenzt wärmefest.
- HSE: High Surface Energy; Materialien mit hoher Oberflächenenergie wie Metall und Glas, die gut zu bekleben sind.
I bis N
- Isolierband: dehnbares, meist PVC-basiertes Band zum Kennzeichnen und Isolieren in der Elektrik. Siehe Isolierband.
- Isopropanol (IPA): Alkohol zum Reinigen und Entfetten vor dem Kleben. Siehe Untergrund vorbereiten.
- Kaltfluss: langsames Fließen eines Klebstoffs unter Dauerlast oder in der Rolle; Ursache für seitlich austretenden Klebstoff und „wandernde“ Bänder.
- Kern: Hülse im Inneren der Rolle, meist aus Pappe. Übliche Innendurchmesser sind 25 mm (Bürofilm) und 76 mm (Packband, Krepp).
- Klebkraft: meist die Schälkraft eines Bandes, angegeben in N/25 mm oder N/cm. Siehe Klebkraft.
- Kohäsion: innerer Zusammenhalt des Klebstoffs. Versagt sie, reißt der Klebstoff in sich und hinterlässt Rückstände.
- Kreppband: Band mit gefälteltem, dehnbarem Papierträger.
- Kriechen: langsame Verformung oder Verschiebung einer Klebung unter Dauerlast, verstärkt durch Wärme.
- Liner: abziehbares Schutzpapier oder Schutzfolie auf doppelseitigen Bändern und Strips, meist silikonisiert.
- LSE: Low Surface Energy; schwer klebbare Kunststoffe wie Polyethylen und Polypropylen. Erfordern Spezialklebstoffe oder Primer.
- Montageband: doppelseitiges Schaumstoffband zum Befestigen von Gegenständen. Siehe Montageband.
- Nassklebeband: Papierband mit wasseraktivierbarem Leim, meist auf Stärkebasis, vollständig mit Karton recycelbar.
- Naturkautschuk: klassische Klebstoffbasis mit sehr hoher Sofortklebkraft, aber begrenzter Alterungsbeständigkeit.
O bis S
- Oberflächenenergie: Maß dafür, wie gut eine Oberfläche benetzt werden kann, angegeben in mN/m. Je höher, desto besser klebbar.
- Primer: Vorbehandlungsflüssigkeit, die die Haftung auf schwierigen Untergründen verbessert.
- PSA: Pressure-Sensitive Adhesive, englisch für Haftklebstoff.
- PVC: Polyvinylchlorid; zäher, dehnbarer Träger für leises Packband und Isolierband.
- Rakel: flaches Werkzeug, meist aus Kunststoff oder Filz, um Bänder und Folien blasenfrei anzudrücken.
- Release: Trennbeschichtung auf der Rückseite eines Bandes oder auf dem Liner.
- Rückstandsfrei: Eigenschaft, sich ohne Klebstoffreste ablösen zu lassen. Meist an Bedingungen wie Zeit, Temperatur und Untergrund gebunden.
- Schälkraft: Kraft, um ein Band unter definiertem Winkel (z. B. 180°) abzuziehen.
- Scherfestigkeit, Scherstandzeit: Fähigkeit eines Bandes, eine Last parallel zur Klebefläche zu halten; gemessen als Zeit bis zum Versagen.
- Selbstklebeband: Fachbegriff für Klebebänder mit Haftklebstoff. Zu den Begriffen siehe Klebestreifen oder Klebeband?.
- Silikonklebstoff: Haftklebstoff für sehr hohe und tiefe Temperaturen; haftet als einziger zuverlässig auf Silikon.
- Stretch-Release: Ablöseprinzip von Strips mit Zuglasche: Durch Dehnen parallel zur Fläche verliert der Klebstoff seine Haftung.
- Synthesekautschuk: Klebstoffbasis aus Blockcopolymeren wie SIS oder SBS, meist als Hotmelt verarbeitet.
T bis Z
- Tack: Anfangsklebrigkeit; wie schnell ein Klebstoff bei kurzem, leichtem Kontakt haftet.
- Teleskopieren: seitliches Verschieben der Lagen einer Rolle, sodass sie wie ein ausgezogenes Fernrohr aussieht – meist durch Wärme oder Druck bei der Lagerung.
- Tesafilm, Tixo, Scotch: Markennamen, die regional als Gattungsbegriffe für Klebefilm verwendet werden.
- Träger: tragende Schicht eines Bandes, etwa Folie, Papier, Gewebe oder Schaum. Siehe Trägermaterialien.
- Transferklebeband: trägerloses Band, bei dem ein reiner Klebstofffilm von einem Liner auf das Werkstück übertragen wird.
- Trennmittel: Substanzen wie Silikonöl oder Wachs, die Haftung verhindern; auf Kunststoffteilen aus der Produktion oft vorhanden.
- VHB: „Very High Bond“, Markenbezeichnung von 3M für Acrylschaumbänder; im Alltag auch als Gattungsbegriff verwendet.
- Viskoelastisch: gleichzeitig zähflüssig und elastisch – die Grundeigenschaft jedes Haftklebstoffs.
- Washi Tape: dünnes, dekoratives Papierklebeband mit leicht ablösbarem Klebstoff. Siehe Washi Tape.
- Weichmacherwanderung: Übergang von Weichmachern aus Weich-PVC in einen Klebstoff, der dadurch weich und schmierig wird.
- Zuglasche: nicht klebendes Ende eines Strips, an dem er zum Ablösen gedehnt wird.
Einheiten und Abkürzungen auf einen Blick
| Angabe | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
| N/25 mm, N/cm | Klebkraft (Schälkraft) pro Bandbreite | 10 N/25 mm = 4 N/cm |
| µm | Dicke von Träger, Klebstoff oder Gesamtband | Bürofilm oft im Bereich einiger zehn µm |
| mm × m | Breite × Lauflänge der Rolle | 19 mm × 33 m |
| mN/m | Oberflächenenergie eines Materials | PE etwa 31 mN/m |
| °C (Gebrauch / Verarbeitung) | Temperaturbeständigkeit bzw. Klebetemperatur | siehe Temperatur |
Häufige Fragen
Was ist ein Liner bei Klebeband?
Ein Liner ist das abziehbare Schutzpapier oder die Schutzfolie auf doppelseitigen Bändern. Er ist mit einer Trennschicht beschichtet und wird erst unmittelbar vor dem Verkleben entfernt.
Was bedeutet Tack bei Klebstoffen?
Tack ist die Anfangsklebrigkeit: wie schnell und stark ein Klebstoff bei kurzem, leichtem Kontakt haftet. Er sagt wenig über die Endfestigkeit aus.
Was heißt LSE?
LSE steht für Low Surface Energy, also niedrige Oberflächenenergie. Gemeint sind schwer klebbare Kunststoffe wie Polyethylen und Polypropylen, für die es spezielle Klebebänder gibt.