Die Geschichte des Klebestreifens
Den transparenten Klebestreifen erfand der 3M-Ingenieur Richard Drew: 1930 kam in den USA das „Scotch“-Cellophanband auf den Markt, nachdem Drew 1925 bereits ein Abdeckband aus Krepp für Autolackierer entwickelt hatte. In Deutschland brachte Beiersdorf 1936 tesafilm heraus. Die Wurzeln reichen aber weiter zurück – zu medizinischen Heftpflastern des 19. Jahrhunderts.
Inhalt
- Vorläufer: Heftpflaster im 19. Jahrhundert
- Richard Drew und das Abdeckband (1925)
- Der transparente Klebestreifen: Scotch 1930
- tesafilm und der deutschsprachige Raum (1936)
- Zeitleiste der wichtigsten Entwicklungen
- Gewebeband, Packband und Spezialbänder
- Hochleistungsbänder und wiederablösbare Strips
- Klebeband in der Wissenschaft
- Häufige Fragen
Die Geschichte des Klebestreifens ist eine Geschichte von Zufällen, genauen Beobachtungen und neuen Materialien. Sie erklärt auch, warum wir heute je nach Land „Tesa“, „Tixo“ oder „Scotch“ sagen – mehr zu den Begriffen unter Klebestreifen oder Klebeband?.
Vorläufer: Heftpflaster im 19. Jahrhundert
Klebstoffe aus Harzen, Wachsen und Naturkautschuk waren lange bekannt, doch erst die Verarbeitung von Kautschuk machte dauerhaft klebrige Beschichtungen möglich. Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden in den USA erste Pflasterstreifen, bei denen ein Kautschukklebstoff auf Stoff gestrichen wurde. Sie gelten als frühe Vorläufer des Klebebands.
In Hamburg erhielt der Apotheker Paul Carl Beiersdorf 1882 ein Patent auf ein neuartiges, gestrichenes Wundpflaster. Dieses Datum gilt als Gründungsdatum der Firma Beiersdorf. Der Apotheker Oscar Troplowitz übernahm das Unternehmen 1890 und baute es aus; 1901 kam das Heftpflaster Leukoplast auf den Markt. Der Markenname „tesa“ entstand 1906 – der Überlieferung nach aus dem Namen der Mitarbeiterin Elsa Tesmer – und wurde zunächst für verschiedene Produkte genutzt, bevor er zum Synonym für Klebeband wurde.
Richard Drew und das Abdeckband (1925)
Richard Drew arbeitete in den 1920er-Jahren bei der Minnesota Mining and Manufacturing Company (3M), die damals vor allem Schleifpapier herstellte. Beim Testen in Autolackierereien beobachtete er, wie mühsam das Abkleben für die damals beliebten zweifarbigen Lackierungen war: Verwendete Klebstoffe rissen beim Entfernen den Lack mit ab.
Drew entwickelte daraufhin ein Band aus Kreppapier mit einem milden, druckempfindlichen Klebstoff – das erste Abdeckband, quasi der Urahn des heutigen Malerkrepps. Einer bekannten Anekdote nach soll ein Lackierer bei einem frühen Muster mit zu wenig Klebstoff gesagt haben, er solle das Band zu seinen „Scotch“-Chefs zurückbringen – damals ein Klischee für Sparsamkeit. Der Name blieb als Marke hängen.
Der transparente Klebestreifen: Scotch 1930
Ende der 1920er-Jahre kam Zellglas (Cellophan) als transparente Verpackungsfolie in Mode. Drew suchte nach einem Weg, es mit einem Klebstoff zu beschichten, der klar blieb und die Folie nicht verzog. 1930 brachte 3M das erste transparente Klebeband auf Zellglasbasis heraus.
Der Zeitpunkt war günstig: In der Weltwirtschaftskrise wurde repariert statt neu gekauft. Mit dem durchsichtigen Klebestreifen ließen sich zerrissene Seiten, Verpackungen oder Bucheinbände flicken. Was man heute über den Schaden weiß, den solche Reparaturen an Papier anrichten können, steht unter Buch reparieren.
tesafilm und der deutschsprachige Raum (1936)
1936 brachte Beiersdorf in Deutschland einen transparenten Klebefilm unter dem Namen tesafilm heraus. Damit wurde „Tesa“ hierzulande zum Gattungswort. In Österreich setzte sich später die Marke Tixo als Alltagsbegriff durch, in der Schweiz und Frankreich eher Scotch.
Das Geschäft mit Klebebändern wuchs bei Beiersdorf über Jahrzehnte zu einem eigenen Bereich heran. 2001 wurde tesa als eigenständige Gesellschaft ausgegliedert und gehört weiterhin zum Beiersdorf-Konzern. Das heutige Sortiment beschreibt die Seite tesa Klebestreifen, die Geschichte und das Sortiment des Wettbewerbers die Seite 3M und Scotch.
Zeitleiste der wichtigsten Entwicklungen
| Zeit | Entwicklung |
|---|---|
| Mitte 19. Jh. | Erste Pflasterstreifen mit Kautschukklebstoff auf Stoff |
| 1882 | Patent für Paul C. Beiersdorf auf ein gestrichenes Pflaster, Gründung von Beiersdorf |
| 1901 | Leukoplast kommt auf den Markt |
| 1906 | Markenname tesa entsteht |
| 1925 | Richard Drew (3M) entwickelt das Krepp-Abdeckband |
| 1930 | Transparentes Scotch-Cellophanband von 3M |
| 1936 | tesafilm in Deutschland |
| 1940er | Gewebeband wird im Zweiten Weltkrieg in großen Mengen eingesetzt |
| 1960er | Matte, beschreibbare Bürofilme auf Celluloseacetat-Basis |
| ab ca. 1980 | Acrylschaum-Hochleistungsbänder für Industrie und Bau |
| 1990er | Wiederablösbare Klebestreifen mit Zuglasche setzen sich im Haushalt durch |
| 2004 | Graphen wird mit Klebeband aus Graphit isoliert |
Gewebeband, Packband und Spezialbänder
Im Zweiten Weltkrieg wurde wasserabweisendes Gewebeband in großem Umfang eingesetzt, unter anderem zum Abdichten von Munitionskisten und für schnelle Reparaturen an Ausrüstung. Daraus entwickelte sich das heutige Gewebeband, das im Englischen als „Duct Tape“ bekannt ist – obwohl es für Lüftungskanäle (ducts) auf Dauer eher ungeeignet ist.
Mit dem Aufkommen von Kunststoffen in der Nachkriegszeit wurden Polypropylen und PVC zu den wichtigsten Trägern. Erst dadurch wurde reißfestes, günstiges Packband zur Massenware. Gleichzeitig entstanden Isolierband, Abdeckbänder für die Industrie, Aluminiumbänder und eine wachsende Zahl von Spezialbändern. Einen Überblick über alle Typen bietet Klebestreifen-Arten.
Hochleistungsbänder und wiederablösbare Strips
Ab etwa 1980 kamen Acrylschaumbänder auf, die im Fahrzeug-, Fassaden- und Elektronikbau Schrauben, Nieten und Schweißpunkte ersetzen können. Das Prinzip dahinter erklärt VHB-Klebeband.
Für den Haushalt bedeutsam war eine andere Erfindung: Klebestreifen, die sich durch Dehnen wieder lösen lassen. Sie machten das Aufhängen ohne Bohren populär. 3M brachte in den 1990er-Jahren das Command-System auf den Markt, tesa bietet mit den Powerstrips ein vergleichbares System an – den direkten Vergleich zeigt tesa vs. Command.
Klebeband in der Wissenschaft
Klebeband hat auch in der Forschung Geschichte geschrieben. 2004 lösten die Physiker Andre Geim und Konstantin Novoselov mit gewöhnlichem Klebeband immer dünnere Schichten von Graphit ab, bis sie einzelne Lagen Kohlenstoffatome erhielten – Graphen. 2010 erhielten sie dafür den Physik-Nobelpreis.
2008 zeigten Forscher in einer Veröffentlichung in der Fachzeitschrift Nature, dass das Abziehen von Klebeband im Vakuum messbare Röntgenstrahlung erzeugt. Im Alltag unter normaler Luft ist das ohne Belang, illustriert aber, wie viel Energie beim Lösen eines Haftklebstoffs im Spiel ist. Die Physik dahinter erklärt Klebkraft.
Häufige Fragen
Wer hat den Klebestreifen erfunden?
Der transparente Klebestreifen geht auf Richard Drew zurück, einen Ingenieur bei 3M. Er entwickelte 1925 ein Krepp-Abdeckband und 1930 das erste transparente Klebeband auf Cellophanbasis.
Seit wann gibt es tesafilm?
tesafilm wurde 1936 von Beiersdorf in Deutschland eingeführt. Der Markenname tesa selbst existiert bereits seit 1906.
Woher kommt der Name Scotch?
Einer verbreiteten Anekdote zufolge bezeichnete ein Autolackierer ein frühes Abdeckband mit zu sparsam aufgetragenem Klebstoff als „Scotch“ – ein damaliges Klischee für Geiz. 3M machte den Begriff zur Marke.
Warum vergilben alte Klebestreifen?
Frühe Klebefilme hatten einen Zellglasträger und Kautschukklebstoff. Beide altern durch Licht und Sauerstoff, werden gelb, spröde oder schmierig und können Papier dauerhaft verfärben.